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Die Nacht war verhältnismäßig kurz, da wir gestern beide so ausgiebig dem Essen zugesprochen haben und nur 3 Mi auf dem Trail waren, konnte keiner so richtig einschlafen. Am Morgen hieß es dann wieder Kalorien fassen. Das Waffeleisen leistete hervorragende Dienste und so kam ich dann gut gesättigt auf den Trail. Das Wetter hatte sich seit gestern nicht verändert und so hieß es weiterhin wenig Sicht. Am ersten Shelter erneuerte die Trailcrew gerade das Dach, als wir einen kurzen Stopp einlegten. Hier gab es sogar eine Solardusche für den verschwitzten Hiker. Nach einer kleinen Plauderei ging es weiter bis zum Shelter, das an einem kleinen Flüsschen gelegen war. Ich hatte ein paar Bedenken wegen der Mücken, aber am Ende war alles kein Problem.
Trailmeile: 984.6

Unser letzter Zero war vor etwas mehr als 200 Mi in Pearisburg, daher wurde es mal wieder Zeit, sich ein bisschen Ruhe und Entspannung zu gönnen. Nach einem guten Frühstück mit Waffeln, Sirup, Joghurt, Cornflakes und Orangensaft gab es aber noch ein bisschen zu tun. Wir wollten vor dem Mittagessen alles erledigt haben, damit wir nicht in der Mittagshitze durch die Stadt rennen müssen. Im Postamt gab ich meine Schuhe auf, die sich nun auf den Weg nach Hause machen. Es würde mich allerdings mal interessieren, ob der Drogenspürhund vom Zoll direkt umkippt, wenn er an meinem Päckchen schnüffelt. Danach ging es weiter in die Bibliothek, um ein neues altes Buch zu kaufen, denn morgen stehen nur 8 Mi auf dem Programm, um unsere Schuhe einzulaufen. Wir werden daher sehr zeitig unseren Tag beenden und ich bin mit meinem aktuellen Buch aus Pearisburg fast fertig. Zu guter letzt hieß es noch Essen für 2 Tage kaufen. Im nun folgenden Abschnitt, dem Shenandoha Nationalpark, gibt es viele Campingläden, daher müssen wir auf den nächsten 110 Mi nicht ganz so viel schleppen. Nach dem Mittagessen im Telgate Grill mit einem richtig guten Burger und Fritten konnten wir die Beine für den Rest des Tages in unserem Zimmer hochlegen. Am Abend gab es im Fernsehen dann den nationalen Buchstabierwettbewerb zu bestaunen, unter anderem mit den deutschen Wörtern: Sprachgefühl, Urgrund, Backfisch und Oflag. Die Kandidaten sind alle so zwischen 11 und 14 Jahre, schon sehr beeindruckend was sie so abgeliefert haben.
Trailmeile: 861.6

Der Morgen lud uns heute nicht besonders zum Wandern ein, denn es war kalt (12 grad) und es sollte den ganzen Tag regnen. Da kommt man schnell mal in Versuchung das gute Motelzimmer um eine Nacht zu verlängern. Schweren Herzens machten wir uns auf den Weg und nach 10 min begann es auch schon zu tröpfeln. Durch das Blätterdach einigermaßen geschützt ging es trotzdem weiter. Der Weg war heute in einem guten Zustand, so dass wir schnell voran kamen und gegen Mittag hörte sogar der Regen auf. Wir trafen dann im weiteren Verlauf auf den Blue Ridge Parkway (im Shenandoha Nationalpark Skyline Drive), einer Straße, die die Autofahrer an die besten Aussichten führt. Kurz vor dem Shelter löste sich mein rechter Schuh ein wenig mehr auf, indem eine der Schnallen ausgerissen ist. Das heißt, nun brauche ich ein neues Paar. Die Schnalle hielt nämlich die Schnürung genau im Übergang von Spann und Bein, so dass beim bergab laufen der Fuß nicht nach vorne rutscht und der große Zeh anfängt zu drücken. Wir werden sehen wie das meinen Zehen bekommen wird. Trailmeile: 746.3

An einem Zero gibt es bei mir sehr häufig einfach Müsli mit frischer Milch. Die kommt hier direkt aus dem 1 Gallonen Kanister (3.9 l). Da das Wifi hier sehr gerne zusammen bricht, bin ich den ganzen Morgen damit beschäftigt, die Bilder für den Beitrag immer wieder hochzuladen. Der Höhepunkt des Nachmittags besteht aus einem (bitte nicht böse verstehen) Alte-Leute-Bad. Das heißt wir haben in der Apotheke Epsom-Salz, ein Badesalz, gekauft. Es soll den Körper entgiften und den Muskeln Magnesium zurück geben. Ich habe keine Ahnung ob es wirklich hilft. Ansonsten passierte nicht viel außer im Fernsehen zu zappen. Trailmeile: 634.9

Da wir uns gestern noch bis zum Partnership Shelter durchgeschwitzt hatten, konnten wir heute etwas länger schlafen. Da Wochenende war, gab es leider keine Busverbindung in die Stadt. Während wir versuchten zu Hitch-Hiken wurde im gegenüberliegenden Besucherzentrum die Flagge gehisst. Silent Force erklärte mir, es gäbe viele Regeln was die Fahne betrifft. So muss sie gefaltet immer ein gleichschenkliges Dreieck ergeben und dabei dürfen keine rot-weißen Streifen mehr zu sehen sein, sondern nur Sterne. Abends muss die Flagge immer eingeholt werden, es sei denn, sie wird angestrahlt, sprich die Fahne darf nicht im Dunkeln flattern. Die US-Flagge muss auch immer am höchsten oder auf gleicher Höhe mit anderen Fahnen hängen. Außer im Bundesstaat Texas. Da darf die texanische Flagge höher hängen (diese Info stammt allerdings nicht von Silent Force sondern von einem Freund der ein Jahr in El Paso Texas verbracht hat). Das Trampen war leider am Ende nicht von Erfolg gekrönt, obwohl wir diesmal gar nicht so schlimm gerochen haben, aber das lässt sich beim vorbeifahren ja auch schlecht beurteilen. Am Ende nahm uns ein Shuttle mit nach Marion. Es ging nach dem Einkauf im Walmart in den McDonalds, wo wir Fiddel Head trafen. Sie hatten in einer anderen Stadt einen Priester gefragt, ob sie eine Fahrt nach Marion kriegen könnten und er hat ihnen kurzerhand das ganze Auto gegeben mit dem Spruch: “Don’t Drink and drive!” Sie wollten uns in ein paar Stunden zurück zum Trail fahren. Wir aßen also in Ruhe, luden unsere Handys auf und surften ein wenig im Internet. Zurück auf dem Weg ging es mit unserem extra schweren Rucksack bei 27 grad 6 Mi die Berge rauf und runter. Mir hat irgendjemand mal gesagt in Virginia wäre es ziemlich flach und der Trail ohne Wurzeln oder Steine, davon habe ich bisher allerdings noch nicht viel gemerkt. Was ich allerdings am Abend bemerkte, gefiel mir weniger. Bei meinem linken Wanderstock war die Metallspitze nach innen gedrückt , so dass ich ihn nur noch mit der umgebenden Plastikummantelung auf dem Boden nutzen kann (sprich sie ist kaputt und ich brauch eine neue). Trailmeile: 538.6

Ein Zero beginnt immer mit einem ausgiebigen Frühstück, mit Waffeln, Orangensaft und Schokolade. Im benachbarten K-Markt konnte ich für 25$ dann eine Frogg Togg Kombi (ultraleichte Regenjacke und -hose) erstehen. Danach hingen wir unsere Sachen auf eine Leine. Silent Force hatte eine Gallone (ca. 3.9 l) eines Antizeckenmittels bestellt und das galt es jetzt aufzusprühen. In nächster Zeit werden die Zeckenaktivitäten wahrscheinlich zunehmen. Nach dem die Sachen trocken und ausgelüftet waren, konnten wir uns zum Mittagessen ins Pizza-Hut zum All You Can Eat einfinden. Der Nachmittag war dann für mich frei und ich lag mal einfach nur auf einem Bett ohne irgendwas zu tun. Am Abend teilte Lightning Bold uns seine Entscheidung mit, dass er einen weiteren Zero nehmen wollte. Also werden Silent Force und ich alleine losstiefeln.
Trailmeile: 469.1

Da wir gestern ja einen vollen Wandertag hatten, wollten wir heute mal einen umgekehrten Nero probieren, das heißt bei nur 9 Mi erst kurz vor dem Mittagessen loslaufen und den Vormittag genießen. Dazu gehört natürlich auch das Ausschlafen am Morgen. Das funktionierte leider nur begrenzt, da ich auf einer Couch im Gemeinschaftsraum des Bunkhouse (quasi Bettenhaus) schlief. Hikerkollege Sparrow machte sich um 6:15 erst mal eine Kaffee in der Mikrowelle und danach war es aus mit dem Schlaf. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mein Körper schon auf diese Zeit geeicht ist und damit an ein längeres Schlafen eher nicht zu denken ist. Zur Belohnung gab es nach der eigenen Aussage der Hostelbesitzerin das “beste Frühstück” auf dem Trail. Es war wirklich wunderbar, denn es gab Schinken, Eier, French Toast, Obst, Muffins, usw. Ich muss tatsächlich zugeben, dass dieses Frühstück ein Anwärter auf den Titel ist, aber es sind noch ein paar Meilen zu absolvieren und noch das ein oder andere Frühstück zu genießen. Für den Resupply ging es danach in den General Dollar ( ein Lebensmittelladen). Es gab dort doch tatsächlich keine Instantnudeln mehr, also musste ich auf andere Nudelgerichte ausweichen. Mit einem mehr als schweren Rucksack ging es dann auf den Trail für unsere heutige Etappe. Am Anfang war nur die Sonne zu sehen, aber nach 2,5 h zogen dunkle Wolken auf und es regnete dann immer mal wieder. Am Ende des Tages erwarteten wir dann auch die 400 Mi Marke, die aber leider nicht markiert war – schade. Das Shelter lag dann an einem Wasserfall, der im Sommer sehr gut als Dusche genutzt werden kann, aber jetzt eher frösteln lassen würde.
Trailmeile: 402.8

Der Nero in der Stadt war wie immer schnell vorbei und die Nacht im King Size Bett (die sind wirklich riesig) war äußerst erholsam. Wir hatten uns gestern kein Shuttle organisiert, da wir eigentlich Hitch-Hiken (trampen) wollten. Wir trafen dann einen anderen Hiker der uns sagte, dass das Shuttle von Uncle Johnny nur 5$ kostet. Also rief Silent Force an und bestellte es für 9:00. Es wurde 9:00, 9:15, 9:30 und nichts passierte. Nach einem erneuten Anruf stellte sich raus, dass sie uns einfach vergessen hatten. Wir kamen dann dennoch irgendwann auf den Trail und hatten einen wunderbaren Wandertag bei 18 grad Sonnenschein und leichtem Wind zu verleben. Heute gab es auch wieder einmal Trailmagic Indian Gave. Das heißt Brownies, Banane und süßen Tee. Der Trailangel macht das an dieser Stelle 5 Tage die Woche – einfach schön. Vom Beauty Spot gab es dann auch noch einen  Rundumblick. Das Shelter erreichte ich heute mal ohne neue tierische Bekanntschaften. Es soll heute Nacht mal wieder frieren und morgen werden wir wahrscheinlich im höchsten Shelter des AT überwintern.
Trailmeile: 360.0

Wir sind am Morgen unseres ersten Zeros kurz noch mal umgezogen und zwar in das Alpine Court Motel. Ich habe mich inzwischen  daran gewöhnt, dass in den USA jedes Geschäft, Restaurant oder auch die Besucherzentren WLAN anbieten. Wie auch immer, dieses Motel bietet es jedoch nicht an, was für uns bedeutete, zur örtlichen Bücherei zu gehen, um nicht ganz den Kontakt zur Welt zu verlieren. Die letzten Tage waren ja eher etwas feuchter. Das führte dazu, dass die Klamotten (und irgendwann auch man selbst) nach nassem Hund zu riechen. Wir entschieden daher, nicht wie üblich alles in eine Waschmaschine zu schmeißen, sondern dafür 2 Klamottenrunden zu machen. In der Zwischenzeit konnte man die Stadt nochmal näher erkunden. Hot Springs ist eine doch eher kleine Stadt. In 10 min auf der Hauptstraße ist man einmal komplett durchgelaufen. Es gibt hier neben 4 Restaurants, 2 Lebensmittelläden, Hostel, Motel und ein paar anderen Geschäften nicht viel zu sehen. Außerhalb der Thru Hiker Saison kommen Leute zum Raifting auf dem Fluß oder um sich in den  heißen Quellen zu entspannen. Am Abend war ich dann zum ersten mal mexikanisch Essen. Als ich dann noch einmal zur Bibliothek ging, saß ein älterer Indianer neben mir und wir unterhielten uns ein wenig über alles mögliche, angefangen in der Geschichte des Bürgerkriegs bis hin zur Solarenergie. Er war eine Weile in Deutschland stationiert (um 1987) und konnte daher einige meiner Ansichten nachvollziehen. Normalerweise sind die Gesprächsthemen am Abend in den Shelter: Essen, Wo kommt ihr her?, Ausrüstung, Aussichten des Tages und nochmal Essen.
Am zweiten Tag ist nicht wirklich etwas großartiges außer Ausruhen passiert. Ich bin nun seit 4 Wochen unterwegs und ich möchte einfach mal eine kurze Bilanz ziehen. Die ersten beiden Wochen waren schon ziemlich hart. Seit dem geht es aber sowohl körperlich und die Meilen pro Tag nach oben. Bisher gab es keine Blasen an irgend einer Körperstelle und ich hoffe, dass es dabei auch bleibt. Ich habe so viele verschiedene Menschen getroffen. Wenn ich die in Schubladen stecken müsste, wären da Rentner, Hippies, Lebenskünstler, Dauerwanderer, Ex-Soldaten, Highschoolschüler und andere Verrückte (was allen allerdings nicht gerecht werden würde, da jeder seine eigene Geschichte hat). Ich hatte bis auf die Smokys und kurz danach eigentlich nur schönes Wetter, worüber man schon ziemlich glücklich sein kann. In dieser Zeit habe ich 270 Meilen (434 km) hinter mich gebracht und freue mich auf den nächsten Monat, denn die Landschaft wird sich ein wenig verändern und ich werde neue Leute treffen, da bin ich mir ziemlich sicher. Was ich mir allerdings wünschen würde, ist eine intelligenterer Trailverlauf, denn manchmal klettert man 2 h um einen Berg hochzukommen und dann biegt er 150 m unter dem Gipfel ab, offensichtlich der Meinung “Nö, wenn du eine tolle Aussicht haben willst, musst du ein paar extra Meter machen.”
Trailmeile: 274.4

Als wir an diesem Morgen das Fontana Damm Resort verlassen haben, hatten wir alle einen kleinen ausgedruckten Zettel in der Hosentasche, die Permit für den Great Smoky Mountain National Park. Zunächst galt es jedoch noch ein paar Restmeilen bis zum Fontana Hilton und dann den Damm an sich, zu überwinden und zu genießen. Da das Wetter wieder mal mitspielte, hatten wir Sonnenschein satt, bei 17 grad und leichtem Wind, also optimal zum Laufen. Am eigentlichen Eingang in den Park steckten wir dann artig unseren Zettel in den Briefkasten und durften zur Belohnung in 10 Mi 1000 m bergauf steigen. Dabei gab es meistens einen recht guten Blick auf den Damm. Am ersten Shelter waren bereits so viele Leute, das wir ohne anzuhalten das zweite Shelter 3 Mi später anliefen. Warum? Hier in den Smokys müssen die Hiker möglichst in den Sheltern schlafen, da hier deutlich mehr Bären unterwegs sind. Da das ganze ein Nationalpark ist, gab es bis vor wenigen Jahren auch keine Plumpsklos wie bei den meisten Sheltern außerhalb des Parkes, sondern Toilettenflächen. Zur Benutzung der Fläche gibt es hier sogar ein passenden Spaten. Ich denke mehr muss ich an dieser Stelle nicht sagen ;). Am Shelter traf ich dann noch Louis aka Six Strings (hat eine Gitarre mit), was ganz witzig ist, denn er kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Doberlug-Kirchhain. Wie klein doch die Welt ist.
Trailmeile: 179.8